KI-Forschung: Eine kurze Geschichte über Kackenten, Schachtürken und Simulanten.

KI-Forschung: Eine kurze Geschichte über Kackenten, Schachtürken und Simulanten.

Es überrascht nicht, dass schon das Universalgenie Wilhelm Gottfried Leibniz über „Künstliche Intelligenz“ (KI) sinnierte. Aber ausgerechnet der Erfinder der Rechenmaschine, Entdecker der binären Zahlen und Zeichner phantastischer Automaten schloss für die Zukunft aus, dass Maschinen je denken könnten. Ein genauer Blick in das innere einer Maschine würde zeigen, dass diese frei von „Perception und Empfindung“ seien. Für die von ihm im Jahre 1700 gegründete Akademie wollte Friedrich der Große 40 Jahre später einen gewissen Jacques de Vaucanson verpflichten. Vaucanson hatte u.a. eine mechanische Ente samt künstlichem Verdauungstrakt entwickelt und mit dieser unerhörten Entwicklung die Wissenschaftler und Fürsten seiner Zeit in Aufregung versetzt. Das Angebot des Preußenkönigs schlug er aus. Damals waren Paris und London die Zentren für große Geister und Erfinder. Das Investment hätte sich für Berlin vermutlich nicht gelohnt, denn der Plan von Vaucanson, einen künstlichen Menschen zu erschaffen, blieb unerfüllt. Aber der Traum, die Natur zu imitieren und sogar das menschliche Denken zu simulieren, blieb.

Und nicht jeder Versuch war so dreist, wie der des österreichischen Mechanikers Wolfgang von Kempelen, der 1769 vorgab, einen Schachroboter entwickelt zu haben. In Wahrheit saß im inneren des sogenannten „Schachtürken“ ein Schauspieler, der die Züge machte.

Geprägt wurde der Terminus „Künstliche Intelligenz“ von dem US-amerikanischen Logiker John McCarthy, als er im Sommer 1956 in Dartmouth einen zweimonatigen Workshop aufsetzte. Titel: „Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence.“ Unter den 10 Teilnehmern war auch Jahrhundertgenie John von Neumann. Bereits auf der Konferenz gab einen großen Richtungsstreit in zwei Lager. Die Verfechter der regelbasierten KI, die Logiker und die Anhänger der statistischen Mustererkennung, die Konnektionisten, gingen von da an getrennte Wege. Der MIT-Professor Andrew McAfee erklärt den Unterschied sehr anschaulich wie folgt: Der Ansatz der Logiker gleicht den von Erwachsenen, die eine Fremdsprache lernen. Die Konnektionisten und Anhänger von neuronalen Netzen gehen eher vor wie Kinder, die ihre erste Sprache lernen. Letztere sind die Wegbereiter der KI-Forschung, die heute „Maschine Learning“ und „Deep Learning“ bezeichnet wird.

Als die Logiker ein Programm präsentierten, das die wichtigsten Theoreme des philosophischen Standardwerks Principia Mathematica von A. Whitehead und B. Russel bewies, deutete alles auf die Dominanz der regelbasierten KI hin. Doch Jahrzehnte Versuche, mit Hilfe von Regeln Bilder und Texte zu erkennen, blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Berühmt ist die Anekdote über ein KI-Übersetzungsprogramm, das den Satz „The spirit is willing, but the flesh is weak“ übersetzte mit „The Vodka is good, but the meat is rotten.“

Das Lager der Konnektionisten hatte schon früher die Segel gehisst. 1958 lud die US-Navy zu einer Pressekonferenz ein, um die von ihr finanziere Maschine „Perceptron“ zu präsentieren. Die auf Basis neuronaler Netze gebaute Maschine, die vorgeblich dem menschlichen Gehirn nachgebaut war, wurde vollmundig angepriesen als ein „Embryo eines Computers, das schon bald reden, laufen, sehen, schreiben, sich reproduzieren und reflektieren sollte.“ Der Durchbruch des maschinellen Denkens fiel aus, in die Adultphase hat es der Perceptron nicht mehr geschafft, sondern eher den tiefen Winter der AI-Forschung eingeläutet. Fördermittel wurden gestrichen, Forschungsprogramme gestoppt, manche Karrieren fast verhindert. So wäre es beinah dem heute gefeierten KI-Forscher Geoffrey Hinton gegangen. Als er 15 Jahre nach dem famosen Perceptron sein Studium in Cambridge abschloss, legte er lieber eine Pause als Schreiner ein, bevor er mühsam neuronale Netze für die KI-Forschung aufbaute.

Doch was genau ist seither passiert, das den CEO von Google zu der Aussage verleitet, KI sei für die Menschheit noch entscheidender als die Erzeugung der Elektrizität? Was hat zu der Explosion von Anwendungen geführt wie autonomes Fahren, Internet der Dinge, Sprachassistenten wie Siri und Alexa. Eine gute Erklärung ist, dass das Zusammenprallen unterschiedlicher Entwicklungen den Fortschritt und vielleicht sogar den Durchbruch möglich gemacht hat. Gill Prett, der CEO von Toyota Research Institut, spricht vom Nexus der fünf Kräfte, die er unter dem Akronym DANCE zusammenfasst (data, algorithms, networks, the cloud, and exponentially improving hardware).

Trotz gewaltiger Rechenleistung, Explosion von Daten und Software, die stets besser und erschwinglicher wird, vielmehr als ein Denksimulator ist der Computer auch heute nicht. Er funktioniert besser als der Mensch, er kann auch besser Schach und Go spielen, und mittlerweile kann er Musik komponieren, dichten und malen. Aber er ist nur ein Simulant, und wahrscheinlich ist der Mensch nicht schlau genug, um sich selbst zu imitieren, oder wie Jostein Gaarder sagt: „Wenn das Gehirn des Menschen so einfach wäre, dass wir es verstehen könnten, dann wären wir so dumm, dass wir es doch nicht verstehen würden.“

Übrigens, der Leibniz-Preis, der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland geht dieses Jahr an Prof. Dr. Bernhard Schölkopf. Raten Sie mal, womit sich der schlaue Herr Schölkopf beschäftigt. Richtig, Maschinelles Lernen, und zwar am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen.

Mein Kind ist krank – Muss ich zur Arbeit?

Mein Kind ist krank – Muss ich zur Arbeit?

Mein Kind ist krank – Muss ich zur Arbeit?

Plötzlich schaltet das Wetter doch auf Winter, so wie jetzt im Februar. Das Telefon klingelt. Das Kind ist krank und muss abgeholt werden. Für berufstätige Eltern stellt sich die Frage:  Wie verhalte ich mich als Arbeitnehmer richtig? Kann ich meinen Arbeitsplatz verlassen? Muss ich meinen Arbeitgeber umgehend informieren? Was passiert mit meinem Gehalt? Hier ein kurzer Einblick in die arbeitsrechtlichen Regelungen .

Grundsätzlich können Arbeitnehmer in solchen Fällen ihren Arbeitsplatz verlassen und sich freistellen Besonders wenn Ihr Kind (auch Stief- und Adoptivkind) unter 12 Jahren ist und aufgrund einer Erkrankung Betreuung braucht, ist eine Freistellung geboten. Dies ergibt sich aus dem § 45 SGB V. Folgendes  sollten Sie als Eltern beachten:

Informieren Sie Ihren Vorgesetzten darüber, dass Sie Ihren Arbeitsplatz verlassen, oder nicht zur Arbeit erscheinen, da Ihr Kind krank ist. Nur in Ausnahmefällen und bei vertraglicher Vereinbarung kann das unterbleiben.  Gehen Sie anschließend zum Kinderarzt, und lassen Sie sich die Krankheit Ihres Kindes attestieren. Der Arzt muss bestätigen, dass Ihr Kind aufgrund der Erkrankung Betreuung braucht. Dann können Sie zunächst bis zu 5 Tagen Ihr Kind betreuen und grundsätzlich Ihr volles Gehalt weiter beziehen. Nach § 616 BGB soll der Arbeitnehmer bei schuldlosem Verhindern seiner Dienstleistung bezahlt freigestellt werden; dies ist zwar keine eindeutige und bindende Regelung, die vorübergehende Verhinderung bis zu 5 Tagen ist jedoch nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts gedeckt. Sollte Ihr Kind jedoch länger krank sein, müssen Sie eine Betreuung durch Dritte für Ihr Kind sicherstellen.

Anspruch auf Kinderkrankengeld.

Sollten Sie in der Zeit, die Sie bei Ihrem Kind verbringen, kein Geld verdienen, haben Sie Anspruch auf Kinderkrankengeld, wenn Ihr Kind gesetzliche krankenversichert ist. In der Regel sind das  90 Prozent des ausgefallenen Nettolohns (gedeckelt bei höheren Einkommen). Pro Kalenderjahr kann der Arbeitnehmer für jedes Kind unter 12 Jahren Kinderkrankengeld für 10 Tage erhalten. Bei mehreren Kindern liegt die Grenze bei 25 Tagen. Für Alleinerziehende gilt sogar der doppelte Anspruch. Sie können also pro Kind und Jahr 20 Tage bzw. bei mehreren Kindern 50 Tage Kinderkrankengeld erhalten.

Bei privaten Krankenversicherungen gibt es in der Regel keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld.

Muss ich für die Arbeit erreichbar sein?

Solange Sie ihr Kind pflegen, müssen Sie ihrer Arbeit nicht nachgehen, also grundsätzlich auch nicht für Ihren Arbeitgeber erreichbar sein. Sollten Sie jedoch arbeiten wollen und können, dürfen Sie dies natürlich tun. Unter Umständen können Sie mit ihrem Arbeitgeber sogar eine anteilige Vergütung vereinbaren.

 

Widerruf von Immobilienkrediten

Widerruf von Immobilienkrediten

Der sog. Widerrufsjoker ist nicht tot. Nach dem 10.06.2010 geschlossene Darlehensverträge sind oftmals fehlerhaft und können damit auch heute noch widerrufen werden.

Bevor Sie die nachfolgenden Zeilen lesen, ist eindringlich darauf hinzuweisen, dass ein Widerruf niemals unbedacht erklärt werden sollte! Akzeptiert die Bank den Widerruf, hat dies nämlich in der Regel zur Folge, dass das Darlehen innerhalb von 30 Tagen zurückzuzahlen ist. Sie sollten demnach niemals ein Darlehen ohne eine bestehende bzw. zugesagte Umfinanzierung tatsächlich widerrufen!

 Nach wie vor gibt es jedoch keinen vernünftigen Grund, nicht zumindest überprüfen zu lassen, ob ein womöglich noch bestehendes Widerrufsrecht den Ausweg aus einem „zu teuren“ Darlehen ermöglicht. Da Ihnen ihre Bank nichts schenkt, sollten auch Sie als Darlehensnehmer ihr Geld nicht verschenken.

Fehlerhafte Belehrung

Wer ein Darlehen aufgenommen hat, wurde in vielen Fällen nicht ordnungsgemäß auf sein gesetzliches Widerrufsrecht hingewiesen. Eine fehlerhafte Widerrufsinformation (bis 2010 in den Verträgen als Widerrufsbelehrung bezeichnet) hat zur Folge, dass der Darlehensvertrag noch heute widerrufen werden kann.

Folge des erfolgreichen Widerrufs

Dies ermöglicht in vielen Fällen eine zinsgünstige Umschuldung oder die Ablösung eines laufenden Darlehens.

Daneben ermöglicht der Widerruf die Chance, eine bereits in der Vergangenheit in Unkenntnis der Widerrufsmöglichkeit gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung über den Widerruf zurückzufordern. Das Widerrufsrecht kann demnach auch dann noch ausgeübt werden, wenn das Darlehen schon länger zurückgezahlt ist, um die Vorfälligkeitsentschädigung von der Bank zurückzufordern. Zudem eröffnet der Widerruf die Möglichkeit, die Forderungen für ein unvorteilhaftes Forward-Darlehen abzuwehren (Nichtabnahmeentschädigung).

Beinahe alle Kreditinstitute haben in der Vergangenheit Fehler bei der Abfassung von Widerrufsinformationen (bis 2010 „Widerrufsbelehrungen“) in den Darlehensverträgen gemacht.

Die Folge solcher Fehler ist, dass diese Verträge auch heute noch von den Darlehensnehmern widerrufen werden können.

Somit ermöglicht der Widerruf grundsätzlich die Rückabwicklung laufender und womöglich auch bereits beendeter Verträge.

Welche Immobiliendarlehen können widerrufen werden?

Das sogenannte „ewige Widerrufsrecht“ – also das unbefristete Recht, seinen Vertrag wegen einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung zu widerrufen – ist durch die am 21. März 2016 in Kraft getretene Wohnimmobilienkreditrichtlinie erheblich beschnitten worden.

Das ist der aktuelle Stand der Dinge:

Vertragsschluss                     Widerrufsrecht

02.11.2002 – 10.06.2010        endete am 21.06.2016 um 24:00 Uhr

11.06.2010 – 20.03.2016        weiterhin gilt das „ewige Widerrufsrecht“; kein Fristablauf

ab 21.03.2016                        erlischt 1 Jahr u. 14 Tage nach Vertragsschluss (§ 356b Abs. 2 S. 4 BGB n.F.)

Somit gilt:

  • Bei Verträgen, die bis zum 10.06.2010 geschlossen wurden, muss der Widerruf bereits erklärt worden sein. Ein Widerruf kann heute nicht mehr erklärt werden.
  • Ab dem 11.06.2010 geschlossene Verträge können bei fehlerhafter Belehrung nach wie vor widerrufen werden.

Wie bereits oben erwähnt, ermöglicht ein Widerruf die Möglichkeit:

  • ohne Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung Zinsen durch eine Umschuldung zu senken,
  • eine Vorfälligkeitsentschädigung zurückzufordern oder zu senken,
  • ein Forward-Darlehen ohne Nichtabnahmeentschädigung abzulehnen sowie
  • die vorzeitige Ablösung des Darlehens ohne Vorfälligkeitsentschädigung.

Gerne prüfen wir auch Ihren Darlehensvertrag.